HOME

Startseite

 

DIE KGS HAMBERGEN   

Über uns

 

SCHULLEBEN

Veranstaltungen

Einblicke

 

KONTAKT & IMPRESSUM

Kontakt

Impressum

 

 

STARTSEITE - ÜBER UNS - UNSER KONZEPT - KONTAKT

 

 

 

Roland Saade:

Das Vietnam-Projekt

Interkulturelles Lernen an der Gesamtschule am Wällenberg

 

Wenige Tage vor Beginn des Unterrichtsprojektes fand ein an unserer Schule mehrmals im Jahr üblicher „Klassentag“ statt, der es den Klassen ermöglicht, unterrichtliche Exkursionen durchzuführen. Mit großer Mehrheit beschloss die Klasse im Anschluss an einen Museumsbesuch zur Einstimmung auf das Vietnam-Projekt ein asiatisches Restaurant aufzusuchen, das auf vietnamesische Gerichte spezialisiert ist. Die überaus freundlichen Besitzer des „Mekong“ in Bremen öffneten an einem Mittwochnachmittag um 15.00 Uhr eigens für uns ihre Pforten, um uns mit Gemüsesuppe oder Frühlingsrolle, „Huhn süß-sauer“ mit Bambus, Ananas und Erbsenschoten, „Hühnerfleisch scharf“ mit Tofu oder Rindfleisch und fremdländischen Pilzen zu verwöhnen. 

 

 

Auf unseren Wunsch erhielten wir landesübliche kleine Schälchen und Stäbchen und eine Einweisung durch eine der sehr herzlichen Bedienungen. Auch wenn die meisten der SchülerInnen nach kurzer Zeit die Stäbchen mit Messer und Gabel tauschten, war dieses gemeinsame Essen am langen Tisch eine tolle Erfahrung. Selbst die SchülerInnen, die vor dem Betreten des Restaurants geäußert hatten, dass sie eigentlich keinen Hunger hätten, spürten plötzlich großen Appetit und zeigten sich begeistert von den immer neu aufgetischten fernöstlichen Köstlichkeiten. 

 

Pro Person mussten wir übrigens nur 5,60 € bezahlen, auch das beeindruckte uns sehr.

Für das eigentliche Projekt hatten wir einen spielerischen Einstieg vorgesehen. Sechs verschiedene Dias über das Leben in Vietnam ließen wir über eine Fotofirma zu Puzzles verwandeln. Nach zwei Wochen des Wartens war die Überraschung groß, als nicht Puzzles mit 66 Teilen, sondern mit 333 Teilen geliefert wurden. Natürlich war das Zusammensetzen der Puzzles in einer Stunde nicht zu schaffen, auch nach zwei waren nicht alle Gruppen damit fertig, doch von Frustration konnte keine Rede sein. Mit viel Spaß und Begeisterung waren die SchülerInnen bei der Sache, zusätzlich in der nachfolgenden Pause und Freistunde. Auch in einem 10. Schuljahr sollte man also das Bedürfnis nach spielerischer Entfaltung nicht unterschätzen.

  

In der nächsten Unterrichtsstunde wurden die Bilder in der Größe von 30 x 20 cm von einem Gruppenmitglied beschrieben und ausgewertet. Folgende Informationen konnten sie unter anderem den Bildern über Vietnam entnehmen:

 

  • Reisanbau ohne Maschinen
  • Fahrrad als Transportmittel
  • Straßenverkauf von Obst und Gemüse
  • Besondere Tempel (Pagoden)
  • Schuluniformen
  • Hängematten zum Schlafen
  • Betten aus Bambus
  • Strohhüte gegen die Sonne ….

 

Eine Stunde später wurde das Projekt im Computerraum mit einer Internet-Recherche fortgesetzt. Von allen SchülerInnen wurden informative und anschauliche Internetseiten mit Hilfe der bekannten Suchmaschinen über das Leben in Vietnam gesammelt.

Hier eine Auswahl:

 

  • www.erdkunde-online.de
  • www.dse.de/za/lis/vietnam
  • www.frankrottmann.de
  • www.wohnklo.de/vietnam
  • www.vietnam-freunde.net
  • www.vietnam-tours.de
  • www.mdr.de/vietnam
  • www.viet-friends-world.com/de
  • www.travel-service-asia.de/vietnamhotels
  • www.derriere.de/vietnam
  • http://directory.google.com/Top/World/Deutsch/Freizeit/Reisen/Private-Reiseberichte
  • www.mimpiindah.de/vietnam
  • www.astrasoft.de/vietnam
  • www.alex4ever.de/mvietnam.htm
  • http://home.datacomm.ch/ajsieber
  • www.vietnam.de
  • www.heise.de
  • www.vietnaminfo.de
  • www.asiatour.com/x-maps/vietnam/inhalt1.htm
  • www.uni-wuerzburg.de

 

In Partnerarbeit wurden anschließend über das Internet Grundinformationen über Vietnam gesammelt und schriftlich festgehalten, dazu zum Vergleich auch die entsprechenden Daten der Bundesrepublik Deutschland. Diese ersten Ergebnisse mussten abgegeben werden und wurden von mir beurteilt, damit sicher gestellt sein konnte, dass jeder über ein theoretisches Grundwissen verfügt. Die Hauptaufgabe bestand jedoch darin, in Einzel- oder Partnerarbeit ein spezielles Themengebiet zu erarbeiten (siehe geplanter Unterrichtsverlauf) und die Ergebnisse in einem Vortrag vor der Klasse zusammenzufassen. Als Hilfe habe ich den SchülerInnen zusätzlich aus Büchern und Zeitschriften fotokopiertes Material zur Verfügung gestellt (siehe Literaturliste). Per Los wurde dann die Reihenfolge der Vorträge bestimmt. Die Vorträge fielen quantitativ und qualitativ, wie nicht anders zu erwarten, sehr unterschiedlich aus. Während zwei Mädchen mit ihrem Referat „Traditionelle Werte – Mentalität“  die MitschülerInnen in ihren Bann zogen und die eigentliche Richtzeit von zehn Minuten weit überschritten, waren andere SchülerInnen nach wenigen Minuten mit ihrem „Latein“ am Ende.  

 

 

 

Die Bewertung dieser Präsentationen erfolgte mit Hilfe eines Bewertungsbogens, wobei die SchülerInnen und ich gemeinsam z. B. die Gliederung und die sachlich richtigen Aussagen des Vortrages oder die Benutzung verschiedener Darstellungsformen einzuschätzen und das Resultat auf einer Skala von -2 bis +2  anzukreuzen hatten. Die Beurteilungen der SchülerInnen und die von mir lagen nie weit auseinander, in mehreren Fällen bewerteten sie sogar strenger als ich. Nach kurzen Diskussionen kam es zum Glück immer zu einer Einigung.

Zwischendurch hielt Frau Gödicke ihre Dia-Vorträge über ihre Reise von Nord- nach Südvietnam im Jahr 2001 und vermittelte ein lebendiges Bild vom Land und dem Leben in Vietnam heute. Dabei ging sie besonders auf die überall sichtbaren wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen ein. Die SchülerInnen nahmen die Gelegenheit wahr, immer wieder Fragen zu stellen und sich damit Informationen aus erster Hand zu holen.

Ein Höhepunkt des Unterrichtsprojektes war sicherlich der Besuch des Vietnamesen Tien Trung Trinh im Klassenraum der 10.1  

 

Über die Pressesprecherin der Fachhochschule Bremerhaven Daniela Krause-Behrens war der Kontakt zu dem Studenten des 1. Semesters zustande gekommen. Da im Voraus bekannt war, dass Tien Trung Trinh über nur wenig deutsche Sprachkenntnisse verfügte, hieß es für die SchülerInnen, vorweg alle Fragen in Deutsch und in Englisch zu formulieren. Diese ungewöhnliche Art der Vorbereitung bedeutete, wie es sich zeigen sollte, einen recht hohen zeitlichen Aufwand. Noch ungewohnter war es natürlich für die SchülerInnen, als es denn soweit war, dem Gast diese Fragen persönlich auf Englisch zu stellen, und das auch noch im Beisein der Presse. Nach einem zögerlichen und holprigen Beginn kam es dann aber zu einem hoch interessanten 90-minütigen Gespräch, bei dem die unterschiedlichsten Themengebiete angesprochen wurden. Die Folgen des Vietnamkriegs und das Verhältnis zu Amerika kamen ebenso zur Sprache wie die Auswirkungen des boomenden Tourismus. Es wurden Fragen zur buddhistischen Religion und den Rechten von Frauen gestellt, Schule und Familie waren weitere aufschlussreiche Bereiche, wobei die Unterschiede zu unserer Kultur sehr deutlich wurden. 

 

Natürlich kamen auch die persönlichen Fragen nicht zu kurz. Tien Trung Trinh kann sich das Studium nur leisten, weil er als Küchenhilfe in einem asiatischen Restaurant arbeitet. Das Studium gefällt ihm gut, doch das Wetter ist meist scheußlich und beim deutschen Essen gibt es für ihn zuviel Kartoffeln und Butter. Diese persönliche Begegnung mit dem sehr bescheiden auftretenden, sympathischen 21-jährigen Vietnamesen hinterließ in der Klasse einen nachhaltigen, positiven Eindruck.

  Bis zu den Osterferien waren fast alle Vorhaben des Projekts umgesetzt worden. Was fehlte, war der große PowerPoint-Vortrag über Vietnam vor einer Parallelklasse. Von den Einzelreferaten waren zuvor schlagwortartige Kurzfassungen abgegeben worden. Zwei Schüler mit hervorragenden Computerkenntnissen, die vorher von den Einzelreferaten freigestellt worden waren, hatten die Aufgabe übernommen, diese Texte mit Hilfe des PowerPoint Programms zu schreiben, Bilder und Grafiken einzufügen und sich um eine abwechslungsreiche, farbige Gestaltung zu kümmern. Diese Arbeit sollte in den Osterferien erledigt werden. Um grobe sprachliche Schnitzer und Rechtschreibfehler zu beheben, war ich allerdings an einem Nachmittag sechs bis sieben Stunden mit den Schülern gemeinsam vor dem Computer.   

 

Auch wenn die Luft nach den Osterferien ein wenig heraus war und die SchülerInnen sich erneut vorbereiten mussten, musste der Vortrag noch vor einer fremden 10. Klasse gehalten werden. Alle Schüler und Schülerinnen der Klasse waren beteiligt, er dauerte 57 Minuten und fand Anerkennung und Beifall. Spätestens jetzt merkten wir alle, dass sich die Arbeit gelohnt hatte. Das Resultat wurde auf einer CD-Rom festgehalten und zeigt, dass die SchülerInnen durch die Beschäftigung mit dem Thema Vietnam etwas Besonderes geleistet haben.

 

 

 

  

Hier nun der geplante und im Wesentlichen eingehaltene Unterrichtsverlauf:

  1. Einstieg:  Verschiedene Puzzles von Bildern über Vietnam zusammensetzen

             SchülerInnen berichten über ihre ersten Eindrücke von Vietnam

 

  1. Grundinformationen über Vietnam sammeln (Internet-Recherche, brauchbare Adressen von SchülerInnen vorab suchen lassen): geographische Lage, politisches System, Landesfläche, Bevölkerungszahl, Bevölkerungsdichte, Klima, Landschaft, Wirtschaftsleistung (BSP/Kopf), Kindersterblichkeit, Einwohner pro Arzt, Bildung,…

 

Weitere Aufgabe: Entsprechende Daten der Bundesrepublik Deutschland zum Vergleich sammeln.

 

  1. SchülerInnen bearbeiten in Partnerarbeit verschiedene Themen:
    • Religionen
    • Geschichte Vietnams -  Vietnamkrieg
    • Feste und Feiern
    • Essen und Trinken
    • Verhaltens – ABC
    • Traditionelle Werte - Mentalität
    • Bedeutung der Familie
    • Sport und Unterhaltung  /  Bekleidung und Körperpflege
    • Leben in der Stadt  -  Leben auf dem Lande
    • Vietnamesen und Deutsche
    • Vietnam und der Tourismus heute
    • Ökologische Probleme – Tier- und Pflanzenwelt

 

Erste Ergebnissicherung:  Die SchülerInnen halten vor der Klasse einen Vortrag über ihr Themengebiet und fassen die Hauptergebnisse schriftlich zusammen.

                                                              

  1. Dia-Vortrag über eine Reise durch Vietnam (Charlotte Gödicke)

 

  1. Vietnamesen berichten in der Schule von ihrer Heimat

 

  1. Wir kochen gemeinsam vietnamesische Gerichte

 

  1. Abschluss des Projektes Vietnam:

Die SchülerInnen halten vor den SchülerInnen einer Parallelklasse  gemeinsam einen 45minütigen freien Vortrag über Vietnam mit Hilfe eines computergesteuerten Projektors (PowerPoint).

 

 

Benutzte Literatur

Vietnam, Travel Handbuch, Stefan Loose Verlag, Oktober 2001

Geo spezial, Vietnam, Laos, Kambodscha, August 1998

Heinz Kotte / Rüdiger Siebert, Vietnam, Die neue Zeit auf 100 Uhren, Lamuv Verlag 1997

Kulturschock Vietnam, Reise Know-How Verlag 1999

Spiegel Almanach 2001

Das Länderlexikon, Bertelsmann Lexikon Verlag 1998

 

Das  Projekt  wurde im Februar und März 2002 von der Klasse 10.1 und ihrem Klassenlehrer Roland Saade  durchgeführt.

 

 

 

 

 

Zurück zur Übersicht